Über die Region

Über die Region

Region Bayerischer Wald – Böhmerwald

Die Informationen und Unterrichtsmaterialen auf diesen Internet-Seiten beziehen sich in erster Linie auf die Mittelgebirgs- und Waldregion im Dreiländereck Deutschland-Österreich-Tschechien, für die wir den Begriff „Region Bayerischer Wald – Böhmerwald“ benutzen. 

Nur sehr schwer lässt sich die Region Bayerischer Wald – Böhmerwald geografisch, politisch oder kulturell eingrenzen. Denn allein die Vorstellung, was man unter den beiden einzelnen Begriffen „Bayerischer Wald“ und „Böhmerwald“ zu verstehen hat, hat sich im Laufe der Zeit immer wieder verändert. Selbst heute noch haben Geografen und Geologen, die Tourismusbranche, die Bevölkerung aus den deutschen, österreichischen und tschechischen Teilen der Region und Heimatvertriebene eine unterschiedliche Auffassung davon.

Doch es gibt viel Gemeinsames, das die Region verbindet, und eine dieser Gemeinsamkeiten ist die Geschichte. Es sollen hier schlaglichtartig nur einige Ereignisse genannt werden, die die Entwicklung der gesamten Region maßgeblich geprägt haben: im Mittelalter Rodung und Besiedlung der dichten Waldgebiete – Wirtschaftsbeziehungen durch Salzhandel über den Goldenen Steig, später Forstwirtschaft und Glasherstellung – Anfänge des Fremdenverkehrs – Grenzveränderungen, Leid und Unrecht durch Nationalsozialismus und Zweiten Weltkrieg – Randlage der Region zu beiden Seiten des Eisernen Vorhangs – erneute Annäherung im zusammenwachsenden Europa. 

Die gemeinsame Geschichte prägt die Region bis heute. Deshalb ist es wichtig, sich mit ihr zu beschäftigen, um mehr über die Heimatregion zu erfahren und dadurch ein regionales Bewusstsein herauszubilden. Eine solche Beziehung zur Region Bayerischer Wald – Böhmerwald lebt durch den Dialog und die Begegnung mit den Menschen aus dem Nachbarland. Aus diesem Grund wurde auf dieser Internetseite viel Wert auf grenzüberschreitende Aspekte und die Betrachtung der einzelnen Themen aus möglichst vielen Blickwinkeln gelegt. Denn nur aus dem Wissen über die Lebensbedingungen der Menschen heraus, kann sich auch Verständnis und Toleranz entwickeln. 

[Da das Projektteam aus bayerischen und tschechischen Partnern besteht, liegt der Fokus unserer Seiten auf dem bayerischen und tschechischen Teil der Region. Der österreichische Teil, der natürlich untrennbar zur Region dazugehört wird auf unseren Seiten folglich nicht eigens berücksichtigt. Wir bitten dies zu entschuldigen.]

Böhmerwald, Šumava, Bayerischer Wald, & Co.

„Nordwald“ ist eine sehr alte Bezeichnung für die Gebirgs- und Waldregion im heutigen Dreiländereck Deutschland-Österreich-Tschechien, die vom 9.-12. Jahrhundert gebräuchlich war. Der Begriff „Böhmerwald“ wurde erstmals um 905 in der Raffelstettener Zollurkunde als „silva Boemica“ urkundlich erwähnt. Über Jahrhunderte wurden diese und ähnliche deutsche und lateinische Begriffe wie z.B. „Beheimer walt“ und „nemus Boemicum“ genutzt, allerdings war das von ihnen bezeichnete Gebiet nie einheitlich. Ein tschechisches Äquivalent für Böhmerwald erschien mit „Šumava erst in Quellen des 16. Jahrhunderts.

Erst gegen Ende des 18. Jahrhunderts wurde unter Böhmerwald üblicherweise das gesamte Kammgebiet der Gebirgs- und Waldregion verstanden, ohne Rücksicht auf die verschiedenen Herrschaftsgebiete.

Im Laufe des 19. und 20. Jahrhundert kamen die Teilbezeichnungen „Bayerischer Wald“ und „Oberpfälzer Wald“ auf. Dies lässt sich einerseits mit dem aufkommenden staatpolitischen Bewusstsein in Mitteleuropa erklären, andererseits auch durch den Beginn des Tourismus in der Region. Gemeint waren damit nur die Teile der Gebirgs- und Waldregion, die auf der bayerischen Seite der Grenze lagen. Die Gesamtregion, die man einige Jahrzehnte zuvor noch als „Böhmerwald“ hätte bezeichnen können, wurde immer weniger als grenzübergreifende Einheit empfunden.

Der Begriff „Šumava“ stellt eine Ableitung des altslawischen Worts „šuma“, deutsch „Hochwald“ oder „dichter Wald“, dar. Oft wird der Begriff allerdings über den Zusammenhang mit den Wörtern (des aktuellen tschechischen Wortschatzes) „šum/šumění“, deutsch „Brausen, Rauschen“, erklärt. In Anlehnung an die Differenzierung der Teilgebiete der Region auf der bayerischen Seite wurden um das Jahr 1900 die Bezeichnungen „Šumava“, „Český les“ als böhmische Nachbarn des Bayrischen Waldes und des Oberpfälzer Waldes geprägt. Im oberösterreichischen Teil blieb die Bezeichnung Böhmerwald neben dem ebenfalls aufgeführten Begriff „Mühlviertel“ stehen.

Nach 1989: Böhmerwald oder Grünes Dach Europas?

Besonders durch die scharfe Trennung der Region durch den Eisernen Vorhang nach dem Zweiten Weltkrieg verschwand die Vorstellung einer grenzübergreifenden Bezeichnung der Gebirgs- und Waldregion als Böhmerwald. Viel stärker war das Bewusstsein der Menschen auf beiden Seiten des Eisernen Vorhangs, am „Ende der Welt“ zu wohnen. Auch nach dem Fall des Eisernen Vorhangs hat sich kein einheitlicher Name für die Region durchsetzten können. Der 1993 gegründete deutsch-österreichisch-tschechische Zusammenschluss von Kommunen, Vereinen und Institutionen bekam den Namen „Euregio Bayerischer Wald / Šumava / Mühlviertel“. Um grenzüberschreitende Gemeinsamkeiten zu verdeutlichen wurde auch die Umschreibung „Grünes Dach Europas“ genutzt.

Quellenangaben:
• Stallhofer, Bernd: „Böhmerwald ohne Grenzen“: Der Landschaftsname gestern, heute und morgen, in: Koschmal, Walter/Nekula, Marek, Rogall, Joachim (Hg.): Deutsche und Tschechen. Geschichte. Kultur. Politik, München 2001, S. 591-598.
• Wolf, Peter: Länder – Grenzen – Leute / Země – lidé – hranice, in: Riepertinger, Reinhard u.a.: Bayern – Böhmen. 1500 Jahre Nachbarschaft / Bavorsko – Čechy. 1500 let sousedství, Augsburg 2007, S. 71-73.